Geburtsberichte

 
 
August 2021:  Hausgeburtsbericht
Geschrieben von der Mutter selbst. Tausend Dank dafür, liebe Hannah!

UNTER UNSERER  G L Ü C K S H A U B E

 Es fing alles mit einem Telefongespräch an, mit dem ersten Kennenlernen und der Analyse des Geburtsberichts meines ersten Sohnes. Julia und Barbara gaben mir den Mut, dass es eigentlich ziemlich schnell vonstatten gegangen ist und obwohl ich so fremdbestimmt bei der Geburt meines ersten Sohnes in der Klinik war und danach sehr  T R A U M A T I S I E R T  gewesen bin, fasste ich wirklich neuen  M U T  diese Geburt anders zu erleben.

Ich wollte diesmal einfach in unseren eigenen vier Wänden unseren zweiten Sohn zur Welt bringen.

Frei von Fremdbestimmung, Trubel, hellen Lichtern, viele Menschen, viele Gesprächspunkte, einfach vielen Reizen. In den eigenen vier Wänden, kann ich mich am besten entspannen, mich auf meine Gedanken konzentrieren und auf die Bedürfnisse meines Körpers eingehen.

Zwei Wochen zuvor am Meer, las ich das Hypnobirthing Buch, was mir Julia ausgeliehen hatte, und ich konnte mich dadurch mit Wissen über die Gebärmutter, deren Tätigkeit unter der Geburt und verschiedene Atem- und Entspannungstechniken bereichern. Ich bin dir an dieser Stelle, liebe Julia, unsagbar dankbar für diesen tollen Buchtipp! 

Und so kam es dann auch, ganz früh morgens wachte ich mit einem Ziehen im Kreuzband auf. Dieses Ziehen hat mich damals vor der Einleitung der PDA bis Ende der Geburt verfolgt. Und nun, war es einfach nur ein Ziehen und kein ständiger Schmerz, den ich auch damals als Erinnerung an meine Chemotherapie, Jahre zuvor, verknüpfte.

Mein erster Sohn war an diesem Tag sehr kuschelig unterwegs, was sonst immer mit einem, ‚‘Aufstehen, Mama! Wir müssen gleich anfangen zu spielen!‘‘ beginnt , war diesmal ein, ‚Wir könnten doch den ganzen Tag im Bett kuscheln‘.

Das war irgendwie schon der erste Vorbote, als würde er jetzt im gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen, dass in ein paar Stunden, unsere Lebenssituation sich komplett ändern würde.

So gab er mir die Ruhe, einfach die Vorwehen entspannt im Bett zu veratmen, und mich mental darauf einzustimmen, wie sich die Wehen aufbauen und an welche Stelle ich, wie atmen sollte.

Mein Tagesablauf war dann auch gleich festgelegt, heute werde ich mich so viel entspannen und ausruhen wie es nur möglich ist. Also anstatt ins Krankenhaus zu rennen, Krankenhausaufnahme, Absprachen und neues Einquartieren, musste ich einfach nur Julia anrufen und ihr Bescheid geben, dass sich der kleine Mann vielleicht heute noch auf den Weg macht. Diese gelassene Stimme am Telefon, entspannte mich und gab mir das Gefühl, dass ich meinem Körper genug Ruhe geben soll.

Durch die tatkräftige Unterstützung meines Mannes, wurde unser sehr abenteuerlustige Sohn gut betreut und ich konnte, meine Sorgen, nicht zur  R U H E  zu kommen, streichen, und stattdessen meine Entspannungs-Musik und Affirmations -CD in Dauerschleife im Bett hören und so mich immer mehr in eine

 E N T S P A N N U N G S -phase leiten.

Als die Wehen ,am späten Nachmittag, stärker wurden, kontaktierte ich nochmals Julia, um ein kleines Update zu geben. Ihre Worte ‚‘Döse so viel du kannst!‘‘ war mein Stichwort für die nächsten Stunden die dann folgten, bis dann die Wehen abends nur noch stehend zu veratmen waren.

Bei jedem Verändern der Wehenstärke, bemerkte ich was im Körper passierte und versuchte Kontakt zu unserem kleinen Sohn aufzunehmen.

Wie unsagbar aufregend muss es für dieses kleine Wesen sein, in seinem sanften Ballon zu sitzen und dann auf einmal  gedrückt und gequetscht zu werden. Ein paar Streicheleinheiten von Mama tun da, glaubte ich, richtig gut. Und so entspannte ich mich, weil ich auch meine Gebärmutter so massierte wie die Muskelschichten unter den Wehen arbeiteten.

Als ich dann wirklich nicht mehr von der Toilette runterkam und merkte, dass die Wehen vielleicht mir noch zwei Minuten Pause ließen, bat ich meinen Mann Julia anzurufen.

Das Ziehen wurde richtig stark und der Druck im Becken kam dazu, was damals unaushaltbar trotz PDA war, konnte ich einfach annehmen. ‚Mein Kind schiebt sich jetzt ins Becken und wird dann bald uns begrüßen können.‘ Ich war bereit loszulassen, was mein Darm auf jeden Fall wortwörtlich nahm.

Da stand sie dann, mit einem Lächeln im Gesicht und meinte nach der veratmeten Wehe, ‚Hey, dein Baby ist unterwegs, wird nicht mehr lange dauern und du machst das gut!‘

Diese Worte entspannten mich wieder, auch das Aussprechen, dass ich meine Schultern wieder lockern sollte, ließ mir etwas Ausruhphase zwischen den Wehen. Meine Kreislaufprobleme wurden dann in Sekundenschnelle mit etwas Traubenzucker beseitigt.

Als ich dann keinerlei Pause mehr bezüglich Druck auf mein Steißbein und After spürte, begaben wir uns in Richtung Schlafzimmer. Auf dem Weg dorthin bemerkte und erfühlte ich einen weichen, warmen Ball zwischen meinen Beinen. Oh wow, das war ein Teil meiner Fruchtblase und deshalb ist sie auch nicht geplatzt, was mir noch vor ein paar Minuten das Gefühl gab, es wird noch etwas länger dauern und ich muss noch länger diesem starken Druck standhalten.

Angekommen im Schlafzimmer, war zufälligerweise der Spiegel genau vor mir platziert. Julia und mein Mann, jeweils an einer Körperseite von mir. Nun kam der Druck auf mein Becken, Schamlippen und Damm. Unglaublich war der Druck, doch keinerlei Schmerz, weil ich an dieser Stelle bereit war loszulassen, bereit war und aufgeregt war endlich unser Baby im Arm zu halten. Was damals im Krankenhaus als ‚Pressen, Pressen,Pressen!‘‘ an mich lautstark herantragen wurde, war jetzt  T I E F  einatmen und lange ausatmen, tief einatmen und lange ausatmen.

Ich bemerkte, das Köpfchen war schon durch das Becken und am Ausgang meiner Vulva. Noch ein langer Atemzug, ich ertastete sein Köpfchen zwischen meinen Beinen. Noch ein langer Atemzug und der Kleine wurde mir auf meine Brust gelegt. Obwohl ich stehend meinen Sohn gebährte, konnte ich mich so krass auf den Augenblick konzentrieren, was mit diesem Druck und Spannungsgefühl passiert, dass ich wie in Trance war und dieses Gefühl auch als unglaublich erleichternd empfand, fast wie ein Orgasmus, der die ganze Anspannung aus dem Körper leitete.

Mit der Entspannungsphase im Bett, nutzte Julia die Zeit mir mit der Nachgeburt der Plazenta zu helfen und als dann noch meine alte Dammnaht fachmännisch von Julia versorgt wurde, lag ich im Bett und konnte es einfach nicht fassen, dass ich diese schöne, friedliche und schnelle Geburt so erleben durfte, wie es damals auch meine Mama bei meiner eigenen Geburt Zuhause erleben durfte und was ich mir nur in meinen Träumen hätte vorstellen können.

Die Wunden, der vorherigen Geburt schienen wie weggeblasen zu sein, als hätte mir diese wundervolle, friedliche Geburt den Weg bereitet, blitzschnell dieses Trauma der ersten schmerzhaften Geburt zu beseitigen.

Jede Frau, die vielleicht traumatisiert, unglücklich oder einfach fernab von vielen Reizen gebären möchte und im Reinen mit sich und dem Umfeld, in dem sie gebären mag, ist. Deren Voraussetzungen medizinisch gesehen dafür sprechen, würde ich eine Hausgeburt in Ruhe und Entspannung sehr ans Herz legen.

Danke Ma, für deine Geburtsberichte und das V E R T R A U E N  in die Natur einer jeden Frau!

Danke Julia, für deine Unterstützung und deinen Zuspruch und dafür dass ich die Möglichkeit bekommen habe, dieses tolle Erlebnis hiermit mit vielen Familien teilen zu dürfen!

Und danke an meinen Mann, für dein Vertrauen in mich und deine Zuversicht!

Ich  L I E B E  dich.

 

Hebamme Julia Sahlmann aus Bahlingen

Hebamme für Wochenbett & Hausgeburt rund um Bahlingen

Julia Sahlmann